Hauptschüler sind keine Schmuddelkinder, Frau Ministerin!


Zu den neuerlichen Entgleisungen der Bildungsministerin sagte Ulrich Kliegis, Vorsitzender des Schleswig-Holsteinischen Elternvereins und Sprecher der Allianz für ein besseres Schulgesetz, heute in Kiel:

„Es ist schäbig und schädlich für den Ruf des Landes, wenn die Ministerin in der gestrigen Parlamentsdebatte und nun auch wieder in einem Zeitungsinterview Hauptschüler als "Schmuddelkinder" diffamiert. Diese Wortwahl und das dahinterstehende Denken betrachten wir als menschenverachtend und nicht akzeptabel. Es verwundert, daß der Ministerpräsident ein Kabinettsmitglied so sprechen läßt. Die Wortwahl der Ministerin ist beleidigend und unwürdig.

Allerdings sind diese und ähnlich abwertende Begriffe, wie sie die Ministerin bei früherer Gelegenheit auch schon im Parlament zu Protokoll gegeben hat, kennzeichnend für die Geringschätzung, die sie den Hauptschulen seit ihrem Amtsantritt 1998 hat zuteil werden lassen. Es ist unredlich, die Hauptschulen erst jahrelang bis an die Existenzgrenze kaputtzusparen und sie so auszumergeln - und dann mangelnde Akzeptanz für diese Schulart zu behaupten.

Die „Allianz für ein besseres Schulgesetz“ hat aber nicht das Ziel, das Menschenbild einer von der Schulwirklichkeit schon lange weit entfernt lebenden Politikerin zu korrigieren, sondern dafür zu sorgen, daß unsere Kinder nicht den Anschluß an das Bildungsniveau anderer Länder verlieren.

Daß längeres gemeinsames Lernen nicht funktioniert, haben Bremen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt erkannt und die gemeinsame Orientierungsstufe daher wieder abgeschafft. Die schlechtesten Bildungschancen gibt es in den Bundesländern mit zweigliedrigen Schulsystemen. Vor diesem Schicksal wollen wir Schleswig-Holstein bewahren.

In allen integrativen Schulsystemen, also Gesamt-, Regional- und Gemeinschaftsschulen, wird deutlich langsamer gelernt als in begabungs- und leistungsorientierten dreigliedrigen Systemen. Das hat gerade wieder eine vergleichende Längsschnittuntersuchung des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung herausgestellt. Die optimale individuelle Förderung erhalten Kinder in der ihnen angemessenen Schulart.

Alle Kinder – bisher bis auf die angehenden Gymnasiasten - für mindestens zwei weitere Grundschuljahre in einer Klasse zusammenzustecken, bedeutet nur, diesen Kindern Bildungschancen vorzuenthalten und ihre Zukunftschancen ohne Not zu verschlechtern.

Die von der Ministerin bemühte Glaubwürdigkeit ihrer Politik bemißt sich an Tatsachen, nicht an Parteiinteressen. Schließlich hat auch sie den Koalitionsvertrag mitunterzeichnet.

Wer bei Null angekommen ist, hat viel vor sich.“

Heikendorf, 25. Januar 2007 Ansprechpartner und v.i.S.d.P.:
Dr.Ulrich G. Kliegis, Schleswig-Holsteinischer Elternverein e.V.

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