Anhörung im Bildungsausschuß des Landtags
Vorsitzender des Landeselternbeirats der Realschulen löst Befremden aus
Da reiben sich die Eltern von mehr als 50.000 Realschülern in Schleswig-Holstein erstaunt die Augen: Ihr oberster Repräsentant forderte am 7. Dezember bei der mündlichen Anhörung zum Schulgesetzentwurf nicht nur, die Realschulen abzuschaffen, sondern gleich die Schaffung einer Einheitsschule, also einer einzigen Schulart für alle. Lediglich eine gymnasiale Oberstufe will er daran dulden.
Wir wissen, daß sich praktisch alle Eltern von Realschülern hinter die Forderung ihrer Kinder auf den Erhalt dieser – und nicht nur dieser! – Schulart gestellt haben und den Protest gegen die sinnlose Demontage des gegliederten Schulsystems voll und ganz unterstützen. Woher der LEB-RS-Vorsitzende seine einsame Meinung herleitet, bleibt schleierhaft.
Es ist schade und bedauerlich, daß der höchste Interessenvertreter der Realschuleltern sich an entscheidender Stelle gegen den Erhalt der von ihm vertretenen Schulart eingesetzt hat.
Das Engagement der Schüler mit den Worten zu diskreditieren, „Die sind von den Lehrern instrumentalisiert worden!“ (SH-Landeszeitung v. 8.12, S.2) geht zudem weit über das Mandat eines LEB-Vorsitzenden hinaus.
Der Schleswig-Holsteinische Elternverein e.V. kann und will nicht die Belange der verfaßten Elternschaft wahrnehmen, das ist nicht unsere Aufgabe. Aber wir zögern nicht, die Dinge beim Namen zu nennen, wenn sich etwas grob in die falsche Richtung entwickelt.
Wir sind der Meinung, daß der Wille der Eltern von immerhin einem Drittel aller schleswig-holsteinischen Schülerinnen und Schüler in anderer Weise präsentiert werden muß, als es am 7. Dezember im Bildungsausschuß geschehen ist. Und wir sind der Meinung, daß die vom LEB-RS-Vorsitzenden vertretene Position den betroffenen Eltern zumindest bekanntgemacht werden muß, wozu wir hiermit beitragen.
Wir empfehlen allen Realschuleltern, sich in Klassen- und Schulelternversammlungen über die von der Regierung beabsichtigten Änderungen des Schulsystems zu informieren und ihre Ansicht zur beabsichtigten Abschaffung von Real- und Hauptschulen in Schleswig-Holstein in angemessener Weise kundzutun.
Eine schriftliche Stellungnahme des Landeselternbeirats Realschulen zum Schulgesetzentwurf liegt zur Zeit nicht vor.
Änderungsbedarf am Schulgesetzentwurf meldete der LEB-RS-Vorsitzende laut o.g. SH-LZ-Artikel gleichwohl dann doch noch an: Das Ministerium möge die bisher von jeder Schule individuell verteilten sog. beweglichen Ferientage bitteschön einheitlich festlegen, weil die Eltern bei ihrer Freizeitplanung bisher immer dann die Dummen seien, wenn sie Kinder an verschiedenen Schulen haben.
Schön, wenn es sonst keine Probleme gibt.