Aktuelle Studie der Fachhochschule für Wirtschaft, Berlin:

Spitzenplätze nur für Länder mit dreigliedrigem Schulwesen!

Am 15. Dezember veröffentlichte die Berliner Fachhochschule für Wirtschaft eine „Studie zur Sozialen Lage in den deutschen Bundesländern“. Ein Kapitel widmet sich den (Aus-)Bildungschancen. Die Wissenschaftler haben die Bildungschancen in jedem Bundesland unter die Lupe genommen und nach ausführlich dargelegten Kriterien bewertet. Das Ergebnis ist eine Rangeinstufung („Ranking“), ähnlich einem Zensurensystem.
Die Studie zeigt: Es besteht ein eindeutiger Zusammenhang zwischen dem Aufbau des Schulsystems und den sich daraus ergebenden Bildungschancen.
Wir haben die Berliner Ergebnisse um den Parameter Zwei- bzw. Dreigliedrigkeit des Schulwesens ergänzt. Die Informationen dazu bezogen wir vom Deutschen Bildungsserver.
Erschütternd, aber leider nicht überraschend: In der Siegergruppe finden sich nur Bundesländer mit einem dreigliedrigen Schulsystem, das Schlußlicht bildet ein fester Block von Ländern mit zweigliedrigem Schulwesen.


Bildungschancen - Ranking der Bundesländer Gliederung des Schulwesens
in 2000 in 2006
Rheinland-Pfalz 3 1 3 -gliedrig
Baden-Württemberg 7 1 3 -gliedrig
Schleswig-Holstein 5 3 3 -gliedrig
Bayern 1 4 3 -gliedrig
Hamburg 2 5 3 -gliedrig
Saarland 8 5 2 -gliedrig
Berlin 11 7 3 -gliedrig
Nordrhein-Westfalen 9 8 3 -gliedrig
Niedersachsen 5 9 3 -gliedrig
Bremen 13 10 2 -gliedrig
Hessen 10 11 3 -gliedrig
Sachsen 12 11 2 -gliedrig
Sachsen-Anhalt 16 11 2 -gliedrig
Thüringen 4 14 2 -gliedrig
Brandenburg 15 15 2 -gliedrig
Mecklenburg-Vorpommern 14 16 2 -gliedrig


Die Tabelle bestätigt darüber hinaus, daß die schleswig-holsteinischen Bildungsangebote - bei aller Kritik am Sparkurs - bundesweit nicht schlecht dastehen. Es ist nicht zu verstehen, was hinter der Absicht steht, das Bildungsangebot des Landes in die Gruppe der Verlierer zu drücken.
Der gleiche Zusammenhang ist – natürlich neben der Einflußgröße Wirtschaftskraft – in der Rangfolge der Länder zu finden, die ihrem Nachwuchs die besten Chancen auf einen Berufsausbildungsplatz bieten. Ein Teufelskreis. Schlechte Bildungschancen, wie sie mit dem zweigliedrigen Schulsystem offensichtlich einhergehen, führen ganz automatisch zu einem Nachteil beim Wettbewerb um Ausbildungsstellen. Die Daten sprechen für sich.

Bewerber ohne Berufsausbildungsstelle Gliederung des Schulwesens
im Jahr 2000 im Jahr 2003
Hamburg 8 1 3 -gliedrig
Schleswig-Holstein 4 2 3 -gliedrig
Nordrhein-Westfalen 5 3 3 -gliedrig
Niedersachsen 5 4 3 -gliedrig
Rheinland-Pfalz 1 5 3 -gliedrig
Baden-Württemberg 3 6 3 -gliedrig
Bayern 2 7 3 -gliedrig
Saarland 7 8 2 -gliedrig
Berlin 14 9 3 -gliedrig
Bremen 12 10 2 -gliedrig
Sachsen-Anhalt 11 11 2 -gliedrig
Hessen 9 12 3 -gliedrig
Mecklenburg-Vorpommern 13 13 2 -gliedrig
Brandenburg 16 14 2 -gliedrig
Thüringen 10 15 2 -gliedrig
Sachsen 15 16 2 -gliedrig